SPORTGESCHICHTE


130 Jahre Sportgeschichte in Schadeleben



Um ca. 1890 gründete sich ein unparteiischer "Turnverein" in Schadeleben. 15 aktive Turner (Preisturner) turnten am Reck und Barren, natürlich im Freien. In Schadeleben wurde auf dem Weinberg geturnt, ansonsten war man auch im Kreis Quedlinburg unterwegs.
Noch bekannte Turner waren: F. Herrmann, K. Hoffmeister und Pielert
Turnfarbe: blaue Mützen, weiße Jacken


Nach dem 1. Weltkrieg begann der Fußball auch in den kleinen Orten Fuß zu fassen. Nach ersten Anfängen 1920, gründete sich in der Gastwirtschaft Siebert 1921 der SV Schadeleben, ein gut geführter Fussballverein mit 3 Mannschaften (Senioren, Jugend, Schüler). Diese Mannschaften schafften den Sprung aus der 3. Klasse im Eine-Bode-Gau in die 2. Klasse und spielten dort eine beachtliche Rolle.

Hierzu einige bekannte Namen:
Fritz Morich, Gustav Weise, Otto Schröder und Inspektor Wernicke (Gründungsmitglieder)
Im Nachwuchs spielten:
Richard Neue, Alfred Rinck, Ernst Klump, Gerhard Tiebe, Fritz und Hermann Möseritz, Erich Leineweber, Wilhelm Klapproth, Richard Marscheider und Fritz Meyer


Schon damals spielten Sportler aus Königsaue und Friedrichsaue eine wichtige Rolle. Mindestens 150 bis 200 Zuschauer besuchten die Spiele. Bei Freundschaftsspielen gegen höherklassige Mannschaften waren auch die Zuschauerzahlen bedeutend höher: z.B. 1926 spielte der SV Schadeleben gegen eine Reichswehrauswahl aus Halberstadt vor 1000 Zuschauern (das Spiel wurde sensationell 1:0 gewonnen).


Folgende Begebenheit stand 1921 kurz nach der Gründung des SVS in der Regionalzeitung. Es ging um das Freundschaftsspiel Schadeleben gegen die Alten Herren von Ascania Aschersleben (Schiedsrichter Schönert aus Aschersleben). Bei strömenden Regen siegten die Schadelebener 3:2 und aus Ärger über diese Niederlage stand im "Ascherslebener Anzeiger" folgendes Gedicht:



Elf Alte Herren bekannt in Aschersleben,
vom Fußballclub genannt Ascania.
Die pilgerten hinaus nach Schadeleben,
die Spieler waren alle pünktlich da.
Das Spiel begann, die Schadelebener Söhne
waren alle tüchtig auf der Hut.
Der Spielplatz ist frisch umgepflügter Acker,
das Torfmoor liegt hier bekanntlich nicht tief.

Die Schadelebener spielten alle wacker,
doch für Ascania ging die Sache schief.
Drei Mohrenköppe kriegten lahme Beene,
zu Ruhe ging der stolze Siegesmut.
Hört, 2:3, so haben wir verloren, wir denken lange
an die schwarze Schlacht.
Die Spieler waren schwarz als wie die Mohren,
das Publikum hat überlaut gelacht.
Elf Alte Herren sieht man von Dannen ziehen,
die gehen nicht wieder auf das schwarze Land.
Der 1. Preis, ein frischer Bärenschinken,
der ward den Schadelebenern zuerkannt.



Hier erkennt man, mit welchen Platzverhältnissen die damaligen Spieler zu tun hatten. Der Sportplatz war zuerst eine Stoppelwiese, dann wurde die Grasnarbe abgeschoben und neu ausgesäht. Das Torfmoor im Seegelände lag nicht tief, so dass es bei Trockenheit staubte und bei Regen waren alle Spieler schwarz verschmiert! Dieser Sportplatz wurde bis 1983 genutzt, war aber später besser zu bespielen und vertrug viel Nässe.

1922 löste sich durch den Fußball der Turnverein in Schadeleben auf. Der Fußball bestimmte bis 1934 das sportliche Leben im Ort. Man schaffte den Aufstieg in die II. Klasse und war nahe der I. Klasse. Doch diese Klasse bestimmten hauptsächlich Militärmannschaften und war doch eine Nummer zu hoch. Durch den Weggang vieler junger Fussballer zum Militär, war schon 1934 das Ende des SVS zu verzeichnen.


Am 21.04.1946 dann der Neuanfang: "Traktor" Schadeleben wurde gegründet (Otto Kuntze war der erste Vorsitzende). Zwei Männermannschaften und Junioren spielten über Jahre eine gute Rolle im Großkreis Quedlinburg. Im Verein kickten viele Friedrichsauer und auch Königsauer sowie Nachterstedter Spieler.

Bekannte Namen:
Alfred Röwer, Erich und Rudolf Günther, Fritz Kornelius, Alfred Schützendöbbel, Hans Bollmann und die Fußballer Maslak und Pfeifer
Vor allem die A-Junioren Mannschaft war sehr spielstark. 1953 spielten in dieser Elf:
E. Engelwitte, F. Peilecke, G. Klein, F. Klump, A. Klump, H. Fricke, H. Golenia, H. Klein, H. Rossa, W. Engelwitte und K.-H. Krause

Spielfarbe: schwarz/weiß!


Sponsoring gab es nach dem Krieg natürlich auch schon. Ein Händler aus Plauen tauschte zwei Satz Dresse für 12,5 Zentner Weizen (den Weizen spendeten Friedrichsauer und Schadelebener Landwirte). Aufnäher mit einem "Bären" wurde in Aschersleben für Rot- und Leberwurst hergestellt. Diese Aufnäher waren sehr umstritten! Die Spielfarbe schwarz/weiß wurde, wie schon beim SV Schadeleben beibehalten. Traktor Schadeleben entwickelte sich prächtig.


1952 betrug die Mitgliederzahl 170. Eine Frauenhandballmannschaft mit Frau Schindler und Frau Andrasch spielte 3 Jahre eine gute Rolle, eine gemischte Turngruppe gab es und der erste Musikzug tauchte auf.

Eine Besonderheit zwischen 1950 und 1954 war der Reitverein. Auf dem Sportplatz fanden große Reiterfeste statt.

Viele Zuschauer konnten Turnen am laufenden Pferd, Springreiten, Römerwagen und andere Kunststücke bewundern. Willi Urbach führte diesen Verein, zu dem vor allem Gerhard Tiebe, Johannes Riebert, Karl Stiegnitz, Paul Stiegnitz, Frisör Pietsch, Gustav Stein und Erich Leineweber gehörten. Erstaunlicherweise lösten sich beide Vereine bis 1956, der Pferdesportverein bis 1960 wieder auf.



Danach gab es nur sporadische Sportaktivitäten im Ort, immer wieder spielte eine Nachwuchs-Mannschaft Fußball. Hartmut Willatowski trainierte diese. Günter Steinbrecher baute einen weit bekannten Spielmannszug auf und H. Willatowski leitete noch einen Fanfarenzug. Beide Musikzüge holten Preise z.B. in Berlin bzw. Neustadt/Orla und integrierten die sportliche Jugend der Orte Schadeleben, Friedrichsaue und Neu-Königsaue.


Durch Turnhalle, Sportplatz und Umkleide-Möglichkeiten konzentrierten sich die sportlichen Aktivitäten über die Schule in Königsaue. So wurde am 11.12.1970 im Kulturhaus Königsaue im Beisein der Radrennfahrer Ullrich, Ampler und Eckstein die "SG 70" (Schul -und Sportgemeinschaft) gegründet. Hauptsächlich die Lehrer Bienert, Elze, Steinbrecher und Willatowski lenkten die "Sektionen": Schach, Leichtathletik, Spielleute und etwas später Fußball. Eine gemischte Nachwuchsmannschaft, wie schon in den 60er Jahren, spielte in grünen Trikots.

Aus dieser Mannschaft entstand eine spielstarke A-Jugend, die 1971 und 1972 das Niveau im Kreis Aschersleben bestimmte.
Unter Spielertrainer "Wulf" (Gerfried Hermansa) standen:
G. Sonnek, H. Mannchen, Maier, E. Kittler, Marx, U. Dirksen, Möseritz, R. Günther, K. Penseler, Knöfler, L. Soyk und Engelmann in der Mannschaft.


Auch Werner Blaßfeld war schon aktiv. 1971 war es auch er als, nach 16 Jahren, erstmals wieder eine Männermannschaft am Punktspielbetrieb in der II. Kreisklasse teilnahm. Werner Neugebauer gründete diese Mannschaft sozusagen im Kaufladen "Leineweber".

Dazu gehörten hauptsächlich die Spieler:
K.-H. Schmidt, Bode, B. Dannenberg, W. Saalmann, E. Götze, S. Maslak, R. Maslak, J. Schmidt, P. Felgenhauer, W. Westphal, W. Götze und später noch: K. Lückerath, R. Weniger, H. Annecke, G. Hermnansa und Schlüter


Der alte Sportplatz in Schadeleben musste aber erst, unter schwierigsten Bedingungen, hergerichtet werden. Deshalb spielte man bis 1973 hauptsächlich in Königsaue. In Schadeleben fehlte es an "allem", z.B. Bälle (alte Bälle wurden selbst geflickt), nur alte Dresse, die jeder selbst behütete, Eckfahnen musste selbst gebaut werden und das schlimmste waren die Umkleidebedingungen. Dazu wurden leerstehende Häuser genutzt, z.B. Fischerhäuschen. Es musste also improvisiert werden, um hier zu trainieren und zu spielen. Tornetzte fehlten ebenfalls, so dass die Spieler, vor allem Reinhard Möseritz und Klaus Penseler Sackband aus der LPG "klauten" und daraus Netzte knüpften. Bald weichten die Netzte auf und es wurde Plasteband verwendet. Das hielt zwar länger, musste jedoch häufiger repariert werden. Dazu kletterte K. Penseler in die Tornetzte, deshalb nannte man ihn "die Spinne"!


Ab 1974 dann wieder Fußball nur in Schadeleben, die "SG 70" erhielt den Namen "Aufbau" Schadeleben. Der Trägerbetrieb war die PGH "Grundstein" und Rolf Weniger war lange Zeit ein engagierter Vorsitzender. Unter C. Schröder, S. Blanck und Annemarie Meier (Vorstandsmitglied) entstand eine aktive Frauengymnastikgruppe. Ab 1976 ist Karl-Heinz Maier Sektionsleiter Fußball .
Die A-Jugend bestand nicht mehr, diese Spieler kickten jetzt in Winningen, bei Motor Aschersleben oder Lok Aschersleben. Unter schwersten Bedingungen hielt die Seniorenelf "die Stange". Viel Arbeit gab es immer vor den Spielen: Mit Schlegelhächslern wurde Gras gemäht, die Maulwurfshügel mussten weg, Schafskot lag auf dem Platz und das Waschwasser musste mit Eimern herangetragen werden. Trotz allem ging es voran, neue Tore, neue Geländer und alte Häuser werden hergerichtet. Die Grundstimmung war gut, obwohl die Mannschaft im unteren Drittel der II. Kreisklasse rangierte. Zu Auswärtsspielen holte Franz Kaspar den Traktor und Hühnerwagen der LPG. Kleine Turniere und lustige Freundschaftsspiele wurden organisiert. Gegen eine polnische Mannschaft (Kolonowski) spielte man in Damen-Unterwäsche und Schiri Glass hatte ein richtiges Telefon mit. Oft sind Mannschaftsaufstellungen am Biertisch festgelegt wurden. Trotzdem mussten am Spieltag Leute von zu Hause geholt werden.


Rainer Stein war es, der mehr Ordnung in die Trainingsarbeit brachte und plötzlich ab 1978 spielte man "oben" mit. Im Jahr 1979 gab es wieder Nachwuchsarbeit. Jürgen Schulz und Rolf Bendler, später Siegfried Meier und R. Möseritz brachten die A-Jugend 1983 und 1984 2x zum Kreismeistertitel. Ab 1980 trainierte das Gespann Bendler/Stein die Senioren und das Ziel war eindeutig der Aufstieg.